Zur Startseite
Aktuelles
Die Landesgruppe
Psychologie für alle
Beruf Psychologe
Service / Kontakt
Mitgliedschaft im BDP

Suche auf den Seiten des BDP
Zurück

    
    


Aktivitäten der Landesgruppe zum Thema Schulpsychologie

Pressemitteilung
Nr. 10/07
19. Juli 2007

Steter Tropfen höhlt den Stein

Nordrhein-Westfalen stellt 50 neue Schulpsychologen ein

Mit Genugtuung hat der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) die Absicht der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Kenntnis genommen, 50 Schulpsychologen neu einzustellen. Auch die Kommunen in NRW stellen nach derzeitigem Stand 31 zusätzliche Stellen für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen bereit.
Der BDP sieht in dieser Entscheidung einen Teilerfolg seiner Bemühungen, den Niedergang der Schulpsychologie in Deutschland aufzuhalten. Seit Jahren, ganz besonders aber seit Herbst 2006, hat der Verband jede denkbare Gelegenheit genutzt, um auf die dramatisch zurückgegangene Zahl von Schulpsychologen in Deutschland hinzuweisen. Sowohl auf der Bundeskonferenz für Schulpsychologie als auch beim Landespsychologentag im Saarland und bei der Delegiertenkonferenz im November hatte der BDP die Verantwortung der Länder für diese Situation und ihre Folgen unterstrichen. In zahlreichen Pressetexten sowie in Gesprächen mit Abgeordneten wurde von den Kultusministern gefordert, das schulpsychologische Stützsystem vor dem Zusammenbruch zu retten.
Als konkrete Arbeitsbereiche für Schulpsychologen in NRW benannte die zuständige Ministerin in NRW neben der individuelle Förderung für Schüler ausdrücklich die Prävention und Intervention bei auffälligem Verhalten einschließlich des Krisenmanagements sowie die Mitwirkung bei der Aus- und Fortbildung von Schulleitungen und Beratungslehrkräften. Notfallpsychologisch qualifizierte Schulpsychologinnen und Schulpsychologen sowie deren Einbettung in eine regionale und überregionale Kooperationsstruktur sorgen nach ihren Worten „für ein flächendeckend wirksames Angebot schulpsychologischer Krisenintervention“.
So erfreulich die Entscheidung in NRW ist, so wenig ändert sie an der bundesweiten Misere. Um den Anschluss an europäische Standards zu erreichen fordert der Verband, die Schulpsychologie in Deutschland so auszubauen, dass bis zum Jahr 2010 eine Relation von 1:5000 und bis 2015 eine Relation von 1:1000 erreicht wird. Davon ist Deutschland noch weit entfernt, kommen hier doch im Durchschnitt 16.000 Schüler auf einen Schulpsychologen.

 

Pressemitteilung
Nr. 05/07
23. März 2007

Psychologen legen erstmals Bericht zur psychischen Gesundheit der Nation vor

Deutliche Kritik an Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie an der Effektivität des Schulsystems

Erstmals legt der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in diesem Jahr einen Bericht zur psychischen Gesundheit der Nation vor. Im Mittelpunkt des diesjährigen Reports stehen Kinder, ihre Entwicklungsbedingungen und ihre psychische Gesundheit sowie die Schwachstellen in Prävention und Versorgung. Wenige Tage, nachdem UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf das deutsche Schulsystem angegriffen hat, wird damit der Blick der Öffentlichkeit erneut auf die unbefriedigende Situation von Kindern und Jugendlichen über den Schulbereich hinaus gelenkt.

5% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland werden im Bericht des BDP aufgrund besonders ungünstiger Entwicklungsverläufe als chronisch psychisch beeinträchtigt eingestuft. Das sind 320.000 junge Menschen. Die gleiche Zahl von Kindern und Jugendlichen wird vom BDP als dringend behandlungsbedürftig eingeschätzt.

Der Bericht, der auf der wissenschaftlichen Arbeit an mehreren Universitäten und der Auswertung der Erfahrungen von Praktikern basiert, stellt eine zum Teil erhebliche Unterversorgung auf diesem Gebiet fest. Er zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen psychischen Auffälligkeiten und einem niedrigen sozialökonomischen Status.

Ähnlich wie der UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz kritisiert der Psychologenverband die Lage an deutschen Schulen. Er verweist auf gestiegene schulische Anforderungen und elterliche Erwartungen, die zu erheblichen Belastungsreaktionen führen. Gleichzeitig habe sich die Einstellung der Schüler zur Schule und zu den Lehrern massiv verschlechtert, was nach Meinung des BDP die Frage nach der Effektivität und den richtigen Methoden im Schulwesen aufwirft. Indem der Verband beklagt, dass die besonderen Förderungsaufgaben zur Gewährleistung von Bildungs- und Entwicklungschancen benachteiligter Kinder strukturell vernachlässigt werden, spricht er ein Menschenrechtsproblem an. Auch die Qualität und Verfügbarkeit von Unterstützungssystemen für Schüler, Eltern und Lehrer, auf die in den PISA-Siegerländern großer Wert gelegt wird, hält der BDP in Deutschland für dringend verbesserungsbedürftig.

Die Übergabe des Berichts an die Öffentlichkeit erfolgt am 30. März 2007 um 10.30 Uhr im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin.

 

Pressemitteilung
Nr. 23/06
20. November 2006

Hilferuf und Kampfansage

Massive Kritik beim Landespsychologentag in Saarbrücken am Niedergang der Schulpsychologie in Deutschland

Am Jahrestag der Verabschiedung der UNO-Kinderrechtskonvention haben heute die im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) organisierten Psychologen des Saarlandes unverzüglich die Schaffung von mindestens 19 zusätzlichen Stellen für Schulpsychologen gefordert. Saarländische Schüler müssten wegen des Fehlens von Schulpsychologen bis zu neun Monate auf einen Termin warten.
Der schleichende Niedergang der Schulpsychologie in ganz Deutschland ist nach den Worten der Vorsitzenden der BDP-Landesgruppe, Monika Fixemer, ein wichtiger Grund dafür, dass das Recht auf Bildung hierzulande nur formal garantiert ist, Chancengleichheit im Sinne der UNO-Konvention jedoch nicht besteht. Mit Recht habe UNO-Sonderberichterstatter Vernor Munoz bei seinem Deutschland-Besuch im April u.a. die starke Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft und die frühe Auslese an deutschen Schulen kritisiert.
Fixemer beklagte beim Landespsychologentag in Saarbrücken die Ignoranz, mit der Landespolitiker in jüngster Zeit auf die begründeten Forderungen nach einer besseren Ausstattung mit Schulpsychologen reagiert haben; insbesondere, da das Saarland an letzter Stelle unter den Bundesländern rangiert. Seitens des saarländischen Kultusministers Jürgen Schreier und des Geschäftsführers des Landkreises Martin Luckas werde unverantwortlich, konzeptionslos und unsystematisch gehandelt und eine mangelhafte Bildungspolitik betrieben. Dafür verdienten sie eine klare Abfuhr durch die Wähler.
Dass Deutschland mit im Durchschnitt einem Schulpsychologen auf 16.000 Schüler weit hinter Finnland und Dänemark (1:800), USA (1:1000) und Russland (1:500) hinterherhinkt, ist - so Fixemer - ein Armutszeugnis für eines der reichsten Länder Europas und eine der Ursachen für das blamable Abschneiden in der PISA-Studie und auch in der am vergangenen Freitag veröffentlichten Längsschnittstudie im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Statt im Zusammenhang mit anderen Reformen diese Relation zu verbessern, wurden Stellen nicht wieder besetzt, so dass sich die Lage im Verlauf der vergangenen Jahre dramatisch verschlechtert habe und - wenn jetzt nichts geschieht - zu kollabieren droht.
Fixemer begrüßte die Forderung des BDI nach Einstellung von 2000 zusätzlichen Schulpsychologen in Deutschland. Sie könne nur hoffen, dass der Einsicht der Industrie, die nicht als Fürsprecher unnötiger Geldausgaben im sozialen und Bildungssektor bekannt sei, nun die Einsicht der Politiker folgt. Es liege nach der Föderalismusreform eindeutig in der Verantwortung der Länder, das schulpsychologische Stützsystem vor dem Zusammenbruch zu retten. Es werde Zeit, dass Landespolitiker bundesweit begreifen, welche bildungspolitische Aufgabe damit vor ihnen steht. Der Wähler - so Fixemer - wird diejenigen abstrafen, die bei der Föderalismusreform nach Kompetenz für Bildungspolitik gerufen haben und sich nun um die nicht zuletzt finanzpolitischen Konsequenzen drücken.

 

Pressemitteilung
Nr. 24/06
21. November 2006

Investieren statt verbieten

Psychologen warnen nach dem Amoklauf von Emsdetten vor Nachahmungstätern

Nach Meinung des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) gibt es mehr potenzielle Amokläufer an deutschen Schulen, als die Öffentlichkeit wahrhaben wolle. Vor allem aber gebe es viel mehr Ausgegrenzte, viel mehr Jugendliche, die sich als Verlierer begreifen bzw. zu Verlierern werden durch die Schule. Einer Untersuchung der Universität München zufolge hat jede Schulklasse ein bis zwei Mobbing-Opfer - Jugendliche, die sich als Ausgestoßene fühlen. Es sind nach den Worten der Vorsitzenden der Sektion Schulpsychologie, Elfriede Mittag, seelisch Verletzte, deren "Wunden" immer wieder aufgerissen werden durch Zurückweisungen und Abwertungen, die sie zu Hause und/oder in der Schule erleben. Sie brauchten dringend psychologische Hilfe. Diese könne ihnen aber nur dort zuteil werden kann, wo Schulpsychologen präsent sind.
Nach dem Amoklauf in Erfurt 2002 hatten Politiker für jede Schule einen Schulpsychologen gefordert. Aber die wenigen in Thüringen zusätzlich eingestellten Kolleginnen und Kollegen wurden nach 18 Monaten wieder entlassen. Der BDP ist sich einig mit dem Lehrerverband, dass die Politik es nach Erfurt bei schönen Absichtserklärungen belassen hat und Forderungen nach mehr Schulpsychologen nicht nur zur Krisenbewältigung, sondern zur täglichen Verbesserung des Schulklimas, zur Moderation von Prozessen und zur Entwicklung einer Förderkultur ungehört verhallten. "Nirgendwo in Deutschland gab es einen Ausbau der Schulpsychologie als Stützsystem für Schulen. Im Gegenteil: Freiwerdende Stellen werden oft nicht wieder besetzt. Deutschlands als eines der reichsten Länder leistet sich hier im europäischen Vergleich den letzten Platz", stellt Elfriede Mittag fest.
Mit Blick auf eine ganze Reihe suizidgefährdeter Jugendlicher warnt der BDP vor Nachahmungstätern. Ohne eine gewisse Medienverwahrlosung negieren zu wollen, sieht der Verband die Lösung nicht vordergründig im Verbot von Handys und MP3-Playern auf dem Schulgelände und auch nicht in der Präsenz von Polizei in Schulen, wie zum Teil in den USA. Richtige Prävention koste leider etwas mehr Geld und verlange gut ausgebildete Fachkräfte. Sie könnten zum Beispiel Ausgrenzung erkennen und rechtzeitig gegensteuern.
Auch wenn Länder und Kommunen sparen müssen, so sollten sie dies nicht am falschen Ende tun. Investitionen in das Schulsystem und die Schulpsychologie bringen nach den Worten von Elfriede Mittag hohe Renditen: Sie sparen die Kosten für die "Reparatur" von Schulversagen, ermöglichen erfolgreiche Berufskarrieren und damit Steuereinnahmen und - sie können Leben retten.

 

Pressemitteilung
Nr. 25/06
22. November 2006

Wann trifft es eine saarländische Schule?

Psychologen kritisieren falsche Weichenstellungen im Bildungsministerium

Während bundesweit nicht zuletzt unter dem Eindruck des Amoklaufs an einer Schule in Emsdetten die Notwendigkeit einer verstärkten schulpsychologischen Arbeit wächst, setzt die CDU im Saarland auf Sozialarbeit. "Wir können schließlich nicht hinter jeden Schüler einen Schulpsychologen stellen", so Kultusminister Jürgen Schreier. Ausgerechnet in dem Bundesland, das - was die Ausstattung mit Schulpsychologen betrifft - ohnehin schon Schlusslicht ist, besteht auf Seiten der Regierung keine Bereitschaft, den Erosionsprozess des schulpsychologischen Dienstes aufzuhalten. Im Saarland ist ein Schulpsychologe für bis zu 18.000 Schüler zuständig. Das sind nach Einschätzung von Monika Fixemer, Vorsitzende der Landesgruppe Saarland im Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP), unhaltbare Zustände, die zu schlimmsten Befürchtungen Anlass geben. Wo Schulpsychologen zur Krisenbewältigung, zur täglichen Verbesserung des Schulklimas und zur täglichen Wahrnehmung z.B. ausgegrenzter Schüler nicht zur Verfügung stehen, ist das Scheitern von Schülern und Lehrern, aber auch Gewalt vorprogrammiert, so Fixemer.
Noch entschiedener als bisher wollen die saarländischen Psychologen nach ihrem Landespsychologentag am 20. November für ihre Fachdisziplin eintreten und den Niedergang der Schulpsychologie aufhalten. Nach der Diskussion können sie Unterstützung sowohl seitens der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Landeselternvertretung, als auch durch Politiker aus den Fraktionen der SPD, der Grünen und der FDP sowie seitens der WASG erwarten. So erklärte der bildungspolitische Sprecher der SPD, Reiner Braun, dass in seiner Partei gerade am bildungspolitischen Programm gearbeitet werde und die Schulpsychologie darin einen wichtigen Platz einnehme. Barbara Spaniol von den Grünen verwies darauf, dass die Haushaltslage - oft als Begründung für fehlende Schulpsychologen genannt - auch in anderen Bundesländern schlecht ist und dennoch - siehe Berlin - eine andere Politik gemacht wird. In Berlin unterstütze die CDU sogar aus der Opposition heraus eine Stärkung der Schulpsychologie.

Die saarländischen Psychologen fordern die unverzügliche Schaffung von mindestens 19 zusätzlichen Stellen für Schulpsychologen. Saarländische Schüler müssten wegen des Fehlens von Schulpsychologen bis zu neun Monate auf einen Termin warten. Kritik übten die Psychologen an der Politik des saarländischen Kultusministers Jürgen Schreier. Nach der Föderalismusreform dürfe sich niemand mehr vor der landespolitischen Verantwortung für Schulen und Bildung drücken.

 

Pressemitteilung
Nr. 26/06
26. November 2006

BDP fordert Ausbau der Schulpsychologie

Psychologen beklagen seelische Not vieler Kinder und Jugendlicher

Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) hat am Sonntag auf seiner Tagung in Nürtingen eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Schulen sowie eine verstärkte psychologische Unterstützung aller am Schulleben Beteiligten gefordert. In einem einstimmig angenommenen Initiativantrag heißt es: "Nach Emsdetten kann niemand mehr die Augen verschließen vor der seelischen Not vieler Kinder und Jugendlicher in unseren Schulen und vor den begrenzten Möglichkeiten selbst engagierter Lehrkräfte."
Die jugendlichen Täter von Erfurt und Emsdetten - so der BDP - waren Verlierer und als Amokläufer Einzelfälle. Im gesamten Schulsystem seien Verlierer dagegen keine Einzelfälle. Die im BDP organisierten Psychologinnen und Psychologen halten es für völlig unakzeptabel, dass rund ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler keine Chance haben, eine grundlegende Bildung zu erwerben und damit von der demokratischen Teilnahme an der Gesellschaft, von Berufsausbildung und Erwerbstätigkeit so gut wie ausgeschlossen sind. Fast ebenso viele Jugendliche seien in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung bedroht.

Wegen der Komplexität der Ursachen erwartet der BDP von den politischen Entscheidungsträgern mehr als eine Antwort. Die Familien zu fördern und zu unterstützen, ist aus Sicht der Psychologen nur der erste Schritt in die richtige Richtung. Der zweite Schritt müsse dringend folgen: die bessere finanzielle und personelle Ausstattung der Schulen sowie deren bessere Unterstützung durch verschiedene Professionen. Schulleitungen, Lehrkräfte und Eltern fordern schon seit langer Zeit die Hilfe von Schulpsychologinnen und Schulpsychologen im schulischen Alltag. Schüler, ihre Eltern und Lehrer, das gesamte Schulsystem seien ebenso auf Förderung und Unterstützung angewiesen.

Um Anschluss an die europäischen Standards zu erreichen, fordert der BDP die Schulpsychologie in Deutschland so auszubauen, dass bis zum Jahr 2010 eine Relation von 1 : 5000 und bis 2015 eine Relation von 1 : 1000 erreicht wird.